Berlin, September 2017 (PRG) – Lückenbebauung in Berlin-Kreuzberg? In dem durch Gentrifizierungsdebatten geprägten Bezirk ist das kein leichtes Unterfangen. Wie es trotzdem auf architektonisch höchstem Niveau gelingt, zeigt die Eckbebauung Reichenberger Ecke Glogauer Straße des Berliner Architekturbüros Sarah Rivière Architect. Das neue Gebäude fügt sich harmonisch in die urbane Struktur der Gründerzeit ein und bereichert diese um eine Fassadenbegrünung. Errichtet wurde der sechsgeschossige Bau monolithisch mit perlitverfüllten Poroton-Ziegeln.

Harmonische Stadtreparatur

„Mit seiner Architektur möchte sich das Gebäude in den gewachsenen Stadtteil einbringen ohne aufdringlich zu wirken. Es hält sich vorsichtig zurück, bringt dennoch einen eigenen, unverwechselbaren sowie nachhaltigen Charakter zum Ausdruck“, beschreibt Sarah Rivière ihren architektonischen Ansatz. Dies gelingt vor allem deshalb, weil das Eckgebäude Geschosshöhen, Fensterformate und Proportionen der benachbarten Mietshäuser aus der späten Gründerzeit fortführt. „Beim Entwurf der Fassade und des Hauses insgesamt war es mir wichtig, einen positiven Beitrag zum Stadtviertel zu leisten“, so Rivière. „Der Entwurf zielt darauf ab, ein Wohnhaus zu bauen, dass das Leben im umliegenden Kreuzberger Kiez in mehrfacher Hinsicht bereichert – städtebaulich, sozial, ökologisch und nachbarschaftlich.“ Als Reminiszenz an die historische Bauweise der Kreuzberger Luisenstadt ist die Gebäudeecke als Turm ausgebildet, hier jedoch gerundet. Fließende Formen setzen sich auch in der Attika fort: mit den Bullaugen sowie dem Abschwung zur benachbarten Dachkante zitiert Sarah Riviere die Architektursprache Hans Scharouns, wie sie beispielsweise in dessen Wohnbauten am Berliner Kaiserdamm, entstanden Ende der 1920er-Jahre, oder der Berliner Philharmonie zum Ausdruck kommt.

Konsequent nachhaltig

Sichtbarer Ausdruck des nachhaltigen Standpunkts ist die Gartenfassade zur Glogauer Straße. Die so genannte „Living Wall“ führt durch die Absorption von Stickstoffoxiden und die Reduktion von Feinstaub zu einer wesentlichen Verbesserung des Mikroklimas der Straße. Verkehrslärm wird gedämmt und eine Aufwertung der städtischen Biodiversität angestrebt. Die Pflanzen wachsen auf einer im Ziegelmauerwerk verankerten Trägerkonstruktion und werden durch ein integriertes Bewässerungssystem versorgt. Die Bepflanzung ist winterhart, so dass die Fassade ganzjährig begrünt ist. Weiteres Grün gibt es auf den Dachterrassen sowie dem neu bepflanzten Innenhof als geschützter Garten mit Spielmöglichkeit für die im Haus lebenden Kinder.

Unsichtbarer Ausdruck des nachhaltigen Konzepts ist die Wandkonstruktion. Das Gebäude ist ab dem ersten Obergeschoss monolithisch mit perlitverfüllten Poroton-Ziegeln für den Geschossbau errichtet. Diese Wandbildner sind dank hoher Druckfestigkeit sowie bester Brand-, Schallschutz- und Wärmedämmeigenschaften dafür prädestiniert. Im Zusammenspiel mit Poroton-Systemergänzungen wie Ziegelstürzen oder gedämmten Deckenrandschalen entsteht eine homogene Ziegeloberfläche zur Minimierung von Wärmebrücken und für sicheren Putzauftrag. Die Innenwände sind mit unverfüllten Poroton-Planziegeln errichtet. „Der Naturbaustoff Ziegel reguliert sowohl Raumtemperatur als auch -feuchte bestens und sorgt ganzjährig für angenehmes Wohnklima“, begründet Sarah Rivière die Wahl für gebrannten Ton. Die dämmstoffverfüllten Ziegel machen es außerdem möglich, ohne zusätzliche Außendämmung zu bauen, was die Werthaltigkeit des Gebäudes erhöht und Instandhaltungskosten dauerhaft minimiert. Poroton-Geschäftsführer Clemens Kuhlemann ergänzt einen weiteren Aspekt: Dass der harmonische Lückenschluss mit der abgerundeten Außenecke so gut gelang, liege auch daran, dass die seit über 100 Jahren bewährten Ziegel-Modulmaße der Architektur große planerische Vielfalt ermöglichen. „Kein kompliziertes Schalen, einfach mauern und fertig“, so Kuhlemann.

Belebende soziale Durchmischung

Das Areal ist im Berliner Flächennutzungsplan als gemischte Baufläche definiert. Da der Bauherr auch im Besitz der beiden benachbarten Mietshäuser ist, beschloss er für den Neubau einen Bauantrag für zwölf Ferienwohnungen zu stellen. Die Wohnungsgrundrisse wurden von der Architektin so entworfen, dass sie jederzeit in Mietwohnungen zur langfristigen Nutzung umgebaut werden können. Mit dem Neubau wurde gleichzeitig auf den Nachbargebäuden jeweils ein Dachgeschoss aufgestockt. Hier entstanden eine größere Wohnung und eine Maisonette-Wohnung, beide mit Terrasse zum Innenhof. Die Terrasse auf dem neuen Eckturm zur Straßenkreuzung dient als Gemeinschaftsfläche für den ganzen Block. Im Erdgeschoss wurde eine Bar mit Kicker-Tischen und großen Bildschirmen für die Sportberichterstattung geplant – eine Art „Wohnzimmer“ für den Block. Sie reicht durch den Neubau in den Altbau hinein und bietet zur Glogauer Straße eine längere Fassade. Im Erdgeschoss des Gebäudes Reichenberger Straße befindet sich ein alteingesessenes Cafe. „Insgesamt haben wir hier als Team ein Projekt zu Stande gebracht, das langfristig den Bewohnern des Hauses und den Menschen aus der Umgebung zu Gute kommt. Ein Projekt, das an dieser belebten Ecke Kreuzbergs eine neue Vielfalt anbietet“, bringt Sarah Rivière das Gesamtkonzept auf den Punkt.

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Bildunterschrift 01:

Das neue Eckgebäude in Berlin-Kreuzburg schloss eine seit dem Zweiten Weltkrieg existierende Baulücke. Es nimmt Geschosshöhen und Proportionen der Nachbargebäude auf und fügt sich harmonisch in die architektonische Struktur der späten Gründerjahre ein. Dämmstoffverfüllte Poroton-Ziegel ermöglichten monolithische Bauweise.

Bildunterschrift 02:

Mit gerundeter Kante ist der ortstypische Gebäudeturm errichtet. Bullaugen in der Attika sowie der Abschwung zur benachbarten Dachkante setzen das Konzept fließender Linienführung um. Herausragende Balkone einerseits, französische Balkone andererseits setzen die Fassadengestaltung der jeweils benachbarten Bestandsbauten fort.

Bildunterschrift 03:

Mit grün glasierten Fliesen setzt die Erdgeschossfassade in Farbe und Materialität einen besonderen Akzent. Besonders auch die begrünte Fassade: Vom ersten Obergeschoss bis zur Traufe ist sie winterhart bepflanzt und sorgt ganzjährig für angenehmes Mikroklima.

Bildunterschrift 04:

Die Bewohner stehen auf den Balkonen quasi mitten im Garten. Die hinterlüftete Trägerkonstruktion dieser Living Wall ist auf 16 Metern Höhe sicher im Ziegelmauerwerk verankert. Der vertikale Garten ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie des Eckgebäudes.

Bildunterschrift 05:

Begrünte Fassaden auch im Innenhof, hier allerdings klassisch auf der Fassade gewachsen. Trotz der schmalen Innenseite erhielt das Eckgebäude Fenster zum Hof, so dass die Wohnungen von beiden Seiten belichtet werden.

Fotos: Deutsche Poroton / Claudius Pflug

Bildunterschriften 06 und 07:

Um die Nutzfläche der Bar im Erdgeschoss zu erhöhen und Platz für Nebenräume zu schaffen, reicht die Bar durch den Neubau in den Altbau hinein. Die jeweils zwei Wohnungen in den Obergeschossen können bei Bedarf zu einer größeren Wohnung zusammengelegt werden. So kann flexibel auf künftige Wohnbedürfnisse reagiert werden.

Grafik: Sarah Rivière

Bildunterschrift 08:

Die Gemeinschaftsterrasse hinter der Attika dient allen Bewohnern des Blocks zur gemeinsamen Nutzung und bietet einen schönen Blick über Berlin-Kreuzberg.

Foto: Deutsche Poroton / Claudius Pflug

Bildunterschrift 09:

Die Baulücke Reichenberger Ecke Glogauer Straße diente seit dem Zweiten Weltkrieg als Parkplatz und Werbefläche. Es dauerte fast 70 Jahre bis man sich entschloss, diesen Leerraum wieder adäquat aufzuwerten.

Bildunterschrift 10:

Das neue Gebäude konnte auf den Fundamenten des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Eckgebäudes aus dem Jahr 1895 errichtet werden. Mit den Trümmern wurde damals der Keller verfüllt. Bei der Beseitigung der Verfüllung wurden die ursprünglichen Fundamente in sehr gutem Zustand vorgefunden und genutzt. Dies wirkte sich nicht nur positiv auf die Baukosten aus, sondern auch auf die ökologische Gesamtbilanz des Bauprojekts.

Bildunterschrift 11:

Passend zur Nachhaltigkeitsstrategie von Architektin Sarah Rivière ist das Eckhaus monolithisch mit dämmstoffverfüllten Poroton-Ziegeln errichtet. Dank Systemergänzungen wie Ziegelsturz oder gedämmter Deckenrandschale entstand eine statisch sichere, nicht brennbare homogene Ziegelhülle für sicheren Putzauftrag und zur Minimierung von Wärmebrücken.

Fotos: Sarah Rivière

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Wolfgang Deil

Wolfgang Deil

Telefon: (030) 49 98 94 00
E-Mail: wolfgang.deil@pr-grosse.de

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