| 06/2012 „Blaupausen der Zukunft“ diskutieren und bewerten |
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| Wienerberger GmbH |
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Interview mit Norbert Meyer-Oltmanns, Geschäftsführer Marketing & Vertrieb Wand bei Wienerberger
Frage: Was bewegt einen Baustoffhersteller wie Wienerberger, zu einem Bau-Energie-Kongress einzuladen?
Meyer-Oltmanns: In der Bauwelt herrscht derzeit viel Unruhe und Ungewissheit über die Novellierung der Energieeinsparverordnung und neue europäische Normen, die ab Sommer gelten. Gleichzeitig bleiben viele Bauaufgaben auf der Strecke, weil Rahmenbedingungen nicht stimmen. Wir sind der Auffassung, dass man diese Situation verändern muss durch Information, Diskussion und Übernahme von Verantwortung – bereits im Jetzt und damit sowohl für die nahe wie die ferne Zukunft. Der Bau-Energie-Kongress und die Podiumsdiskussion erfüllten diese Aufgaben - noch vor dem Inkrafttreten der EnEV 2012 und der sogenannten Eurocodes. Frage: Und warum Frank Schätzing? Meyer-Oltmanns: Frank Schätzing ist bekannt für visionäre Entwürfe zu globalen Entwicklungsfragen und hat sehr anregend seine Visionen von der Wohn- und Lebenswelt der Zukunft vorgestellt. Er lenkte unseren Blick über den Tellerrand und formulierte: „Die Zukunft ist ein leerer, aber gestaltbarer Raum. Jeder kann sie gestalten im Hier und Jetzt. Die beste Möglichkeit, die Zukunft vorherzusagen, besteht darin, sie zu erfinden – sie zu bauen.“ Frage: Welche Impulse gehen vom Kongress aus?
Meyer-Oltmanns: Fachleute aus der Baupraxis, Architekten, Wissenschaftler und Politiker beleuchteten aus unterschiedlichen Perspektiven das Bauen und Wohnen. Prof. Volker Eichener von der EZB Bochum brachte es beispielsweise mit seiner Aussage auf den Punkt, dass die soziale Wohnungsbauförderung das Wirtschaftswunder beflügelt hat und wir jetzt eine Neuauflage dringend nötig haben. Überhaupt wurden die neuen Anforderungen an städtisches Bauen sehr nachdrücklich skizziert. Die demografische Entwicklung verlangt ebenfalls hochentwickelte Infrastrukturen, wie sie urbane Areale bieten. Industriebrachen beispielsweise machen neue Wohnprojekte mit zukunftsweisenden energetischen Konzepten möglich. Frage: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit? Meyer-Oltmanns: Wenn wir wirklich nachhaltig leben wollen, müssen andere Aspekte des Energieverbrauchs wie Verkehr, Versorgung oder Ernährung stärker ins Kalkül gezogen werden. Der Tunnelblick auf Neubau oder Sanierung macht Verantwortliche blind für das große Ganze. Das geht zu Lasten aller am Bau Beteiligten und letztendlich der Bewohner. Frage: Man bekommt den Eindruck, der Einfluss des Architekten wird immer weiter reduziert… Meyer-Oltmanns: Auch die Rolle der Architekten muss stärker in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Wir müssen Baukultur als Bestandteil der Lebensqualität begreifen und schätzen - jedoch nicht losgelöst von der Ressourcenschonung. Aus dem Herzen gesprochen hat mir da Roland Kuhn vom Büro Clarke & Kuhn aus Berlin. Der Architekt muss die wahren Wünsche des Bauherrn herausfiltern. Kuhn verfolgt einen archaischen Ansatz, sieht Wohnraum als ein Grundbedürfnis an, aber auch als werthaltige Hülle, die sich verändernde Haustechnik aufnimmt. Architektur darf nicht am Geld scheitern. Frage: Sie sprachen von der Ungewissheit bezüglich der EnEV und der Eurocodes. Was konnte der Kongress hier leisten? Meyer-Oltmanns: Der Bau-Energie-Kongress fand am Vortag zum Start unserer Reihe Wienerberger-Mauerwerkstage 2012 statt. Im Gegensatz zum praxisorientierten Fachseminar, das vorrangig von Planern, Architekten, Statikern und Bauunternehmern besucht wird, diskutierten auf dem Kongress als übergreifende Plattform vor allem Politiker, Wissenschaftler, Wohnungswirtschaftler und Architekten miteinander. Insbesondere auch vor dem Hintergrund ökologischer und ökonomischer Verantwortung. Daher bot dieses Podium die besondere Chance, klare Erwartungen an die Verfasser der EnEV 2012 und anderer Regelwerke zu richten. Der Blick für die praktische Umsetzung sei abhanden gekommen, mahnte Bauphysiker Stefan Horschler. Der Kongress hat den Willen zur Energieeinsparung verdeutlicht, aber auch die Defizite in Kommunikation, Ausbildung und Umsetzung beleuchtet. Frage: Was bedeutet das? Was sind die Folgen? Meyer-Oltmanns: Statiker und Planer müssen sich mit einer Unmenge an Auslegungen befassen, die sich aus verschiedenen Normen und Vorgaben ableiten. Ergebnis sind zum Teil abweichende Resultate bei ein und demselben Projekt. Ganz zu schweigen vom Nutzerverhalten, das bisher nicht berücksichtigt wurde. Dr. Fred Gresens von der mittelbadischen Wohnbaugenossenschaft formulierte zugespitzt: „Die EnEV muss auf einen Bierdeckel passen!“ Doch das Gegenteil ist der Fall. Der Seitenumfang der Verordnungen explodiert, sinnvolles Planen wird erschwert. Frage: Und wie gehts jetzt weiter? Meyer-Oltmanns: Unser Unternehmen verfügt über mehr als 190 Jahre Erfahrung im Ziegelbrennen. Wir haben den traditionellen Wandbaustoff mit unseren gefüllten Ziegeln zu Hightech-Produkten mit Dämmstoffqualität gemacht. Deshalb ist es uns ein Anliegen, unser Engagement stärker in die Richtung der integralen Betrachtung eines Gebäudes zu lenken. Um den Dialog zu gemeinsamen Bauaufgaben in der Zukunft zielgerichtet mitzugestalten, werden wir dieses einzigartige Forum 2013 fortführen. Bereits für dieses Jahr haben wir uns entschlossen, drei Plus-Energie-Häuser zu bauen, die in bewohntem Zustand einem Monitoring unterzogen werden, um das Nutzerverhalten zu untersuchen. Frage: Sie haben in der Eröffnungsrede von den „Blaupausen der Zukunft“ gesprochen. Was verstehen Sie darunter? Meyer-Oltmanns: Der Klimaforscher Mojib Latif sprach einmal von den „Blaupausen der Zukunft“, mit denen wir uns heute beschäftigen müssen. Das heißt, bei aller Konzentration auf die EnEV und andere neue Regelwerke dürfen Klimaveränderungen nicht allein am Bauen und Wohnen festgemacht werden. Diesem gesamtheitlichen Ansatz werden wir verstärkt nachgehen und zum Beispiel die großen Entwicklungen der Stadt der Zukunft mitdiskutieren. ÂBildunterschrift 01: Norbert Meyer-Oltmanns, Geschäftsführer Marketing & Vertrieb Wand bei Wienerberger, zusammen mit Beststellerautor und Referent Frank Schätzing, der sich Visionen der Zukunft widmete. Bildunterschrift 02: Wienerberger-Geschäftsführer Norbert Meyer-Oltmanns begrüßte 240 Teilnehmer zum Ersten Bau-Energie-Kongress in Berlin. Eine Neuauflage dieser hochkarätigen Veranstaltung in 2013 ist bereits geplant. Bildunterschrift 03: Namhafte Referenten sprachen vor einem voll besetzten Saal im Berliner Hotel Estrel: Im Bild Jan Mücke, Parlamentarischer Staatssekretär im BMVBS, Bestsellerautor Frank Schätzing, Prof. Christoph Mäckler, Deutsches Institut für Stadtbaukunst der TU Dortmund, und Prof. Dr. Volker Eichener von der EBZ Business School Bochum (v. l. n. r.).
Foto: Wienerberger GmbH / Peter Himsel |
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