Tübingen. Im Wintersemester 2013/14 lädt die Tübinger Kunstgeschichtliche Gesellschaft (TKG) zu einer Vortragsreihe, die den Blick auf die heutige Architektur in Japan richtet. ‚Learning from Tokyo‘ zeigt Antworten japanischer Architekten auf die urbanistischen Probleme der Metropole, sowie das Spannungsfeld zwischen Moderne und Tradition in der zeitgenössischen Architektur Japans.

Auch in Japan hatte sich nach 1945 die Kultur der Einfamilienhaussiedlung amerikanischer Prägung behauptet. Die japanische Antithese der 1960er-Jahre für eine kollektive Stadtentwicklung fand ihren Ausdruck in der Architektur des Metabolismus, die aber im Wirtschaftsboom und der Globalisierung scheiterte.

Mit der rasanten Zunahme der Bevölkerung und der dramatischen Verdichtung der Städte wird heute von jungen Architekten im Wohnungsbau der Fokus zunehmend auf gemeinschaftliche und kollektive Aspekte zurückgelenkt. Dies veränderte überraschend die Baukultur und ließ ganz neue Typologien in der Architektur entstehen. Selbst auf kleinsten Grundstücken bauen Architekten neue Räume, die ebenso Wohnzimmer wie Teil einer Straße, Platz mit Küche oder Büro ohne Wand sein können. Bewundernswert ist dabei neben der Phantasie im Entwerfen die höchst kluge Organisation des städtischen Raumes – Stadt neu denken –, etwas was der Westen heute von Japan lernen kann.

Einer der interessantesten Vertreter der neuen japanischen Architektur, der international durch sein diesjähriges Serpentine-Projekt Aufsehen erregte, ist Sou Fujimoto. Bei Fujimoto, der in seinen Häusern eine radikal neue Art des Zusammenlebens vorschlägt – differenziert aber simpel gestaltet, gehen Wohnung und Stadt ineinander über.

Osamu Nishida, ondesign, hat mit seinen Yokohama Apartments die Vorstellung, dass ein Haus selbst wie eine kleine Stadt funktionieren kann, in gebaute Realität umgesetzt.

Die Grenzen von innen und außen lässt Kengo Kuma bei seinen Bauten immer wieder verschwinden. Mit natürlichen Materialien und traditioneller Fertigung pflegt er eine extrem zurückhaltende Gestaltung und faszinierende Rückbesinnung auf die kulturellen Wurzeln vor der Zeit des international anerkannten Metabolismus in Japan und deren Neuinterpretation für das 21. Jahrhundert.

Prof. Manfred Speidel, Architekturtheoretiker und ausgewiesener Kenner der japanischen Architekturentwicklung, wird in seinem abschließenden Vortrag den Dialog zwischen japanischer und westlicher Baukunst im 20. Jahrhundert analysieren.

„Architektur Heute“ wird gefördert von der Sto-Stiftung. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen: www.sto-stiftung.de.

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Bildunterschrift 01:

Das Programm der Vortragsreihe. 

Foto: TKG / Sto-Stiftung

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Bert Große

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