Leonberg, 21. April. Erfolgreich abgeschlossen wurde am vergangenen Wochenende die erste Etappe eines ungewöhnliches Projekts im Handwerk. Nach einem zweitägigen Assessment-Center bestiegen 32 junge Spanier den Reisebus nach Hause und waren guter Dinge. Ebenso 20 Betriebe des baden-württembergischen Fachverbandes der Stuckateure für Ausbau und Fassade. Sie hatten am Sonntagvormittag die Kandidaten für Praktika und Ausbildung persönlich kennen lernen können – und waren hellauf begeistert. Wolfram Kümmel, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, fasste die Tage mit den Worten zusammen: „Willkommen in Deutschland und wir freuen uns auf den Praktikumsbeginn am 1. Juli.”

Auf eigene Initiative hatten Mitarbeiter des Kompetenzzentrums für Ausbau und Fassade (KOMZET) in Leonberg Kontakt nach Spanien aufgenommen, um arbeitslose Jugendliche für eine Berufsausbildung in Deutschland zu interessieren. Unterstützt und begleitet wird dieses besondere Projekt von der Zentralen Auslandsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit, der Deutschen Handelskammer in Spanien, der Madrider Sprachschule International Formation Center sowie der gemeinnützigen Sto-Stiftung, die sich für die Nachwuchsarbeit im Handwerk engagiert.

In den Gesprächen wurde deutlich, dass selbst gut ausgebildete junge Spanier aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation keine berufliche Perspektive haben. Zu Anfang des Jahres waren mehr als 50 Prozent der jungen Leute auf der Iberischen Halbinsel arbeitslos. Nun erhalten die 32 eine neue Chance in der Bundesrepublik. Voraussetzung war jedoch, dass sie, wie ihre deutschen Azubikollegen, in einem Eignungstest eine gute Allgemeinbildung nachweisen. In einem Praxistest – eine Trockenbauplatte musste bearbeitet werden – wurde handwerkliche Begabung geprüft. Bewertet wurden Maßgenauigkeit, Sorgfalt und motorische Fähigkeiten. In einem Teamtraining stellten sie soziale Kompetenz unter Beweis.

Anders als in Deutschland durchlaufen Schulabgänger in Spanienlediglich eine theoretische Ausbildung für den Baubereich, die nicht branchenspezifisch ist. Spanischsprechende Azubis und Facharbeiter aus dem baden-württembergischen Stuckateurgewerbe waren an diesem Wochenende besonders willkommene Gesprächspartner, konnten sie doch aus erster Hand über Motivation, Ausbildung und praktischen Alltag berichten.

Nach dem Assessment-Center besuchen die Bewerber jetzt eine zweimonatige Sprachausbildung in Madrid. Alexander Bell von der Sprachschule International Formation Center informierte über das straffe Programm und die Inhalte. Die jungen Spanier beschäftigen sich mit dem deutschen Alltagsleben, kulturellen Gewohnheiten und rechtlichen Rahmenbedingungen. „Ziel ist, dass sie sich zu Praktikumsbeginn im Alltag gut verständigen können und Grundbegriffe des Handwerks beherrschen. Wichtig ist”, so Bell, “dass sie dann in Deutschland auch von den Firmen betreut werden, beginnt doch für die meisten ein völlig neuer Lebensabschnitt – losgelöst von der Familie, die in Spanien ein wichtiges Bindeglied darstellt.”

„Unsere Kandidaten sind zwischen 21 und 25 Jahre alt. Umso wichtiger ist es, sie in Etappen auf diesen bedeutenden Schritt vorzubereiten“, unterstreicht Wolfram Kümmel. „Deshalb haben wir dieses Projekt sehr verantwortungsbewusst mit unseren interessierten Mitgliedsbetrieben vorbereitet.“ In der Berufsschule wird es eine Sonderklasse mit Sprachkurs geben. Sozialpädagogen kümmern sich um die Betreuung, damit die jungen Spanier ihren neuen Lebensabschnitt erfolgreich meistern. Die Ausbildungsbetriebe sorgen für Wohnraum und werden die jungen Leute sicherlich auch familiär integrieren. Das spürte man bereits am Sonntag.

„Ein tolles Wochenende liegt hinter uns. So offene, begeisterungsfähige Interessenten für einen Handwerksberuf erleben wir leider nur sehr selten“, so Dr. Roland Falk, Geschäftsführer des KOMZET. „Anders als in der Industrie verfügt das Handwerk über kleinteilige Strukturen, die gebündelt werden müssen, um so ein Vorhaben umzusetzen. Das ist uns in dieser Etappe sehr gut gelungen“, erläutert Falk weiter. Einige der Betriebsinhaber wie Stuckateurmeister Rainer König aus Bad Herrenalb, gleichzeitig 1. Vorsitzender des Stuckateurverbandes, hätten ihre Gesprächspartner gleich am liebsten mitgenommen: „Das ist ein gelungenes Projekt, das unbedingt Nachahmung verdient. Mein persönlicher Dank gilt allen Beteiligten.“

„Unsere Stiftung hat zahlreiche Aktivitäten des Landesverbandes und des KOMZET unterstützt. Wir sind uns der Verantwortung bewusst, dass hier im europäischen Sinne für den Handwerksnachwuchs in der Bundesrepublik Weichen gestellt werden und haben deshalb Mittel freigemacht für diesen Termin“, betont Till Stahlbusch, Stiftungsvorstand der Sto-Stiftung.

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* Ich werde Stuckateur

Die Pressemitteilung als .zip-Archiv (Worddatei und Bildmaterial in 300 dpi) finden Sie hier zum Download. 

Bildunterschrift 01:

Ein Gruppenfoto zu Erinnerung. 32 junge Spanier bereiten sich auf eine Berufsaubildung zum Stuckateur in Deutschland vor. Im  Berufsbildungswerk in Leonberg konnten sie sich im Rahmen eines Assessment-Centers eingehend über die Anforderungen und das Berufsbild informieren. Ziel ist es, den besten von ihnen nach Sprachkurs und Praktikum ab September eine reguläre Berufsausbildung in einem baden-württembergischen Betrieb zu ermöglichen.

Bildunterschrift 02:

Arbeit in der Werkstatt: Berufsschulehrer Ingo Neumann führte in die Bearbeitung einer Trockenbautafel ein. Rechts neben ihm Michael Santana Pepe von der Stuttgarter Firma Lenz, selbst Azubi im 2. Lehrjahr, war mit Feuer und Flamme dabei.

Bildunterschrift 03:

Auf Spanisch geht‘s noch besser: Carlos Caballero Fernandez (l.) und Miseal Salvat üben gemeinsam.

Bildunterschrift 04:

Stuckateurmeister Heinz Wolf, Weil im Schönbuch, freut sich auf Alejandro Lalaloui Fuentes.

Bildunterschrift 05:

Alvaro Daniel Rodriguez Garcia bedankte sich bei den Gastgebern für die herzliche Auf-nahme und die tollen Chancen. Alle freuen sich auf das Praktikum im Juli. Links hinter ihm Alexander Bell von der Madrider Sprachschule, rechts Dolmetscher Juan Sanchez vom Beruflichen Schulzentrum Leonberg.

Fotos: Sto-Stiftung / Christoph Große

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