Leonberg, 20. April. Ungewöhnliche Wege geht wieder einmal der baden-württembergische Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade. Hintergrund ist der fehlende Nachwuchs im Stuckateur-Handwerk. Es gibt auch hier einfach zu wenig Schulabgänger, die im Handwerk ihre Zukunft sehen. Auf Privatinitiative nahmen Mitarbeiter des Kompetenzzentrums für Ausbau und Fassade (KOMZET) in Leonberg Kontakt nach Spanien auf, um arbeitslose Jugendliche für eine Berufsausbildung in Deutschland zu interessieren. Unterstützt und begleitet wird dieses besondere Projekt von der Zentralen Auslandsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit, der Deutschen Handelskammer in Spanien, der Madrider Sprachschule International Formation Center sowie der gemeinnützigen Sto-Stiftung, die sich für die Nachwuchsarbeit im Handwerk engagiert.

35 junge Männer reisten am 19. April nach Leonberg, um in einem Assessment-Center getestet und für Praktika sowie anschließende Ausbildung vorbereitet zu werden. Zu Anfang des Jahres waren mehr als 50 Prozent der jungen Leute auf der Iberischen Halbinsel arbeitslos. Angesichts dieser dramatischen Situation könnten die 35 eine neue Chance in der Bundesrepublik erhalten. Voraussetzung ist jedoch, dass sie wie ihre deutsche Azubikollegen in einem Eignungstest eine gute Allgemeinbildung beweisen. In einem Praxistest wird dann auch handwerkliche Begabung geprüft und in einem Teamtrainingsseminar soziale Kompetenz.

Anders als in Deutschland durchlaufen die Schulabgänger in Spanien lediglich eine theoretische Ausbildung für den Baubereich, die nicht branchenspezifisch ist. Nach dem Assessment-Center in Leonberg erhalten die Bewerber nach einer zweimonatigen Sprachausbildung in Madrid ab Sommer die Möglichkeit zu Praktika in baden-württembergischen Handwerksbetrieben, denen sich dann ab September eine dreijährige Lehre anschließen kann.

„Unsere Kandidaten sind zwischen 23 und 25 Jahre alt. Sie leben in der Regel noch in ihren Familien. Umso wichtiger ist es, sie in Etappen auf diesen bedeutenden Schritt vorzubereiten“, unterstreicht Wolfram Kümmel, Hauptgeschäftsführer  des Fachverbandes der Stuckateure für Ausbau und Fassade. „Deshalb haben wir dieses Projekt sehr verantwortungsbewusst mit unseren interessierten Mitgliedsbetrieben vorbereitet.“ In der Berufsschule wird es eine Sonderklasse mit Sprachkurs geben. Sozialpädagogen kümmern sich um die Betreuung, damit die jungen Spanier ihren neuen Lebensabschnitt erfolgreich meistern. Die Ausbildungsbetriebe sorgen für Wohnraum und werden die jungen Leute sicherlich auch familiär integrieren. In diese Vorbereitung flossen nützliche Erfahrungen von spanischen Mitarbeitern der Handwerksbetriebe ein.

„An diesem Wochenende wird es bei uns ein seriöses Auswahlverfahren geben und kein Casting, wie in einschlägigen TV-Shows üblich. Wir freuen uns auf unsere spanischen Gäste und sehen dem Assessment-Center gespannt entgegen“, so Dr. Roland Falk, Geschäftsführer des KOMZET. „Anders als in der Industrie, Medizin oder IT verfügt das Handwerk über kleinteilige Strukturen, die gebündelt werden müssen, um so ein Vorhaben umzusetzen. Das ist uns in dieser Etappe gelungen“, erläutert Falk weiter.

„Unsere Stiftung hat zahlreiche Aktivitäten des Landesverbandes und des KOMZET unterstützt. Wir sind uns der Verantwortung bewusst, dass hier im europäischen  Sinne für den Handwerksnachwuchs in der Bundesrepublik Weichen gestellt werden und haben deshalb Mittel freigemacht für diesen Termin“, betont Till Stahlbusch, Stiftungsvorstand der Sto-Stiftung.

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Das Stuckateurhandwerk verbindet Tradition und Innovation. Um dem Fachkräftemangel im Handwerk entgegen zu wirken, reisen 35 spanische Jugendliche für ein Assessment-Center nach Leonberg. Ziel ist es, den besten von ihnen nach Sprachkurs und Praktikum ab September eine reguläre Berufsausbildung in einem baden-württembergischen Betrieb zu ermöglichen.

Foto: Sto-Stiftung / Christoph Große

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